Wörterbuch
Auszug aus dem Oberlausitzer Wörterbuch
Hier finden Sie eine Reihe ausgewählter Begriffe der Oberlausitzer Mundart. Vielleicht haben Sie ja Lust die ein oder andere Begrifflichkeit im Alltag zu verwenden!
A
Andergeschwisterkinder Pl. `Personen, deren Großmütter od. Großväter Geschwister sind bzw. waren, Cousins u. Cousinen zweiten Grades, Großcousine u. Großcousin ´; mir zwee beedn senn Andergeschwisterkinder.
Äpploarsch m. `hintere Teil des Apfels; Stelle, an der der Stiel sitzt ´. Lautf.: Oapploarsch.
_____________________________________________________________________
B
Bauchknepplkuchn m. `Streuselkuchen; Zuckerkuchen mit Buttertupfen, wodurch Löcher im Teig entstehen ´. Lautf.: Bauchknepplkuche.
beemln swv. (refl.) `sich auf die Zehenspitzen stellen, sich strecken, sich beugen, aufbäumen ´; wenn de diech a brinkl beemlst, krigste de niederchstn Äppl o ohne Letter; a beemlte zun Fanster raus.
Boademutter f. `Hebamme ´.
Bognseecher m. scherzh. bis vulgär `Junge ´.
Booksäckl n. `kleine, flache Schnapsflasche, die man in die Tasche stecken kann ´; niem oack ann Schlunk aus ´n Booksäckl! Tu mer oack ´s Booksäckl mit ann Neegl gemengter Preußlbeere filln!
Bookstirne f. `fransenartig in die Stirn gekämmte Haartracht, Ponyfrisur ´; luss dr ne wieder anne Bookstirne schneidn!
Breetseeche, Breetseecher `weibl. Pers., (die uriniert) ´; meistens `(kleines) Mädchen ´; friher huttn de Breetseecher ann Rook oaa, itze Hosn.
Brillnklamper m. `Brillenklempner ´, scherzh. `Optiker ´.
Bruthäusl n. `(buntbemalter) Vorratsschrank zur Aufbewahrung des selbst gebackenen Brotes, anderer Lebensmittel und des Kleingeldes, der im Hausflur stand; Brotschrank ´.
_____________________________________________________________________
D
Drufgetue n. Bielig u. Gneuß unbekannt `Kuchenbelag ´. Lautf.: Droaffgetue Richter.
Dupploadler m. 1. `zwei Personen üben eine Tätigkeit aus, wobei sie sich den Rücken zuwenden ´; mir hoann ´ch naajchtn a dr Wulle gehoat und an Bette Dupploadler gemacht `wir haben nach ehelichem Zwist am gestrigen Abend abgewandt im Bett gelegen ´. - 2. `sich in den Schnee legen und mit den ausgestreckten Armen und Händen die Flügel eines Adlers in den Schnee drücken ´.
Durfblatl n. `Dorfblatt ´. 1. `Dorfzeitung, Gemeindeblatt ´. - 2. `Person, die das neuste weiß und bei jeder Gelegenheit weitererzählt ´.
_____________________________________________________________________
F
Faderkraatschn m. `Federkretscham: Bett ´; RA: Se woarrn schunn an Faderkraatschn minander tanzn `sie haben schon miteinander geschlafen ´.
Finknnappl n. `Finkennäpfchen: sehr kleines Trinkgefäß ´. Lautf.: Finkenappl.
flamschn (gedehntes a) swv. Südlausitz; Steudtner u. Hohlfeld unbekannt `böse gucken, tückisch blicken, erzürnt sein, unfreundlich sein ´; flamsch miech ne su oaa! `Schau mich nicht so böse an! ´
Flaschlkastl n. `Hausapotheke, Arzneischränkchen ´.
Foarzkiste f. scherzh. `Bett ´. Lautf.: Furzkiste.
foarzloo Adj. `furzlau: bumslau, sehr mild, angenehme Lufttemperatur ´; a foarzlooes Gurknnächtl.
foarztroige Adj. `furztrocken: sehr trocken ´. Lautf.: furztroige.
Foarzwulle f. scherzh. `Sauerkraut ´. Lautf.: Furzwulle.
Frassgevoatter m. `Kindtaufgast, Teilnehmer an dem Taufschmaus (Kindlbrut), der nicht Pate ist ´ (meist Ehepartner eines Paten).
Frasshucke m. Dim. Frasshickl Süd- u. Westlausitzisch `in ein Tuch zur Hucke zusammengebundener Mundvorrat, Proviant ´; iech hoa a poaar Schnietn an Frasshickl, do wird ´s ne su teuer.
Fulge f. `Folge (Flurname): ein Komplex von kleinen Parzellen in Grenzlage außerhalb der Hufen, der einzelnen Bauern zur Ergänzung ihres Besitzes zugeteilt wurde ´.
_____________________________________________________________________
G
Gaajknferschter m. Scherzwort, auch Tschöcke Eibau `Förster, Jäger, (der auf Krähen schießt), Sonntagsjäger, schlechter Schütze ´.
Gauder, Gauderch Gauderhoahn m. `Truthahn, aufgeplustertes männl. Tier ´; dar stulziert wie a Gauderhoahn durch ´s Durf.
Geeferlatzl n. `Lätzchen, das man dem Kind umbindet, damit es durch den aus dem Munde fließenden Speichel und durch herausfallende Nahrung die Kleidung nicht verunreinigt ´.
Geeklmannl Goklmannl n. `kleiner, schmächtiger, (unansehnlicher), (ulkiger) älterer Mann ´.
gickern swv. `unterdrückt lachen, endlos kichern (der Mädchen) ohne erkennbaren Grund ´; de Maajdl gickertn, oas dar junge Karle verbei koam.
Goaffe f. 1a. `klaffende Schnittwunde ´. - b. `abstehender Hautfetzen ´. - 2. `abstehende Falte (am Faltenrock) ´. - 3. `Loch, Öffnung, Lücke, Spalt ´; an Hosn is anne Goaffe, dar hoat anne Goaffe ann Maule, dr Schieblch hoat anne Goaffe `das Schubfach schließt nicht vollständig ´. - 4. `Gesicht ´. - 5. `weibl. Pers., die viel herumsteht und gafft ´.
Griebsch, Griebs m. 1a. `Überrest eines gegessenen Apfels od. einer Birne, Kerngehäuse des Obstes ´ - b. verächtlich für `(unreifes, minderwertiges, zu klein geratenes) Kernobst ´. - 2. `Adamsapfel, Kehlkopf, Gurgel (des Menschen) ´; enn benn Griebsche hoann, nahm. - 3. `unartiges Kind ´.
Grußvoaterschwastersuhnstoachter f. `Großcousine: die Tochter vom Sohn der Schwester des Großvaters ´.
Gunkfroosch m. `aufgeblasene Pers., Angeber, Wichtigtuer ´.
Gunks, Gunkderch m. `Stoß (in die Rippen) ´.
Gurks m. `der aus Rinde der Korkeiche gefertigte Flaschenpfropfen ´; Knoallgurkse.
Guttschmecke f. `etw. Schmackhaftes; gutschmeckende, (teure) Speise, Leckerei; Einnahme von Leckerein ´. Sprichwort: Guttschmecke macht Battlsäcke. De Arznei is ne fer de Guttschmecke.
_____________________________________________________________________
H
Hacksch m. `männl. Kaninchen, Rammler, Bock ´; landschaftlich auch `unbeschnittenes männl. Schwein, Eber ´.
Hausknaajcht m. `Hausknecht: (großer) Hausschlüssel ´; dr Hausknaajcht sitzt uff ´m Hausfanster `der Hausschlüssel liegt auf dem Hausfenster ´.
Heet n. Dim. Heetl `Haupt, Kopf ´.
Heetbettl n. `Kopfkissen ´.
hieferch Adj. `hiefrig: schwächlich, schmächtig, unterentwickelt, kümmerlich, anfällig, kränklich ´.
Hihnlhenne f. `Glucke; Henne, die ausgebrütet hat u. Kücken führt ´.
Hitsche (kurzes i) f. Dim. Hitschl `Fußbank, Kinderschemel ´; Ufehitschl `beim Ofen stehende Fußbank ´.
Hoasebrut, Hoasnbrut n. `Hasenbrot ´. 1. `belegter, angetrockneter Brotrest, den man vom Feld od. von der Jagd zurückbringt (und häufig von den Kindern gegessen wird) ´. - 2. `Hainsimse, Feldmarbel (Luzula campestris) ´.
huckesaalz Adv. `huckepack: eine Last auf dem Rücken oder auf den Schultern tragend, ein Kind wie eine Hocke Salz auf dem Rücken tragen ´; iech misste egoalfurt meine Klennste huckesaalz troin od. nahm. Mach mer huckehuckesaalz!
Huckst f. Pl. Hickste, Dim. Hickstl `Hochzeit: kirchliche und weltliche Feier zur Trauung od. Eheschließung ´; ´s gibbt anne gruße Huckst an Durfe `es heiratet ein Wohlhabender ´; iech gih murne a de Huckst.
Huntschl (kurzes u) n. kindlich `(kleines) Schwein, Ferkel, Frischling ´.
Hurbl f. `kräftige Ohrfeige ´; du krigst glei anne Hurbl.
Huttl n. `geschlossene Gummiröhre mit einem Kork zur Beruhigung von Säuglingen, Schnuller, Gummisauger ´; dr Kleene bläkt, gibb ´m oack sei Huttl!
_____________________________________________________________________
I
imzech Adv. `umzech: der Reihe nach, eins ums andere, in regelmäßiger Folge; abwechselnd (bei zwei Beteiligten) ´; de Foamilche soaß oan Tische und lefflte de Suppe imzech aus dr Schissl; oan imzechtn Tag `am nächsten Tag ´.
_____________________________________________________________________
K
Kaiserbrutl n. `kleine runde Semmel mit bogenförmigen od. geraden Einschnitten ´.
Kälberzähne Pl. `gekochte, grobkörnige Graupen (als Eintopfgericht) ´.
Kaularschl n. `Kaulquappe: Froschlarve ´.
Kieze f. `weibl. Katze ´; ´s is kee Koater, ´s is anne Kieze.
Kließlroaffer m. scherzh.`Büstenhalter´
kindschn swv. `sich albern wie ein Kind benehmen; läppisch tun ´; dar koann oack kindschn `der kann nur kindisch tun ´; rimkindschn `herumalbern ´.
Klaffersäckl n. `petzendes Kind ´; Kinderreim: Klaffersäckl, Klaffersäckl, klaffert waajn jedn Dreckl! Iech will amol as Beikastl sahn, iech war dr glei ann Klafferpfenngk gan!
Koatznkeppe Pl. `Katzenköpfe ´; scherzh. `Kopfsteinpflaster; altes, unebenes Straßenpflaster mit runden Köpfen ´.
Kraatschn m. `Kretscham ´. Name von Dorfschenken, Gaststätten (auf Höfen, die früher Erbrichter innehatten); hinte is an Kraatschn Musicke `heute Abend ist im Kretscham Tanz ´; Äberkraatschn, Niederkraatschn.
Krautscheißer m. `Kohlweißling ´.
Krautwickl n. `Kohlrolllade ´.
Krohaajkl n. `undefinierbare Schriftzeichen; schlecht geschriebene, unleserliche Buchstaben ´, eigtl. `Häkchen (Füße) der Krähe ´; die Krohaajkl koann ´ch ne lasn.
krumpln swv. `wellig werden beim Zusammenlaufen, schrumpfen, einlaufen, zusammenziehen, einspringen und knittern, krümmen ´; zusoammkrumpln.
Kuhbläke f. 1. `Kuhweide ´. - 2. abwert. `vom Verkehr abgelegenes, schwer erreichbares Dorf od. Bauerngut, (auf dem sich die Füchse u. Hasen gute Nacht sagen) ´; a dar Kuhbläke mach ´ch kenn Urloob mih. Lautf.: Kihbläke.
Kustebissl n. `Kostprobe: ein Stückchen zum Kosten ´. Lautf.: Kustbissl.
_____________________________________________________________________
L
Lee-erch m. `großer, (ungeschickter) Kerl ´; is doaas a langer Lee-erch!
Leiermilch f. `Magermilch, durch Leiern mit der Zentrifuge entrahmte Milch ´.
Loarve f. `Maske, Gesicht ´; steck dr anne ander Loarve uf!
Lurke f. 1. (meist im Plural) `kurze, lustige, (unwahre) Erzählung; Hirngespinst, Schnurre, spaßige Anekdote ´; ´n Kupp vuler Lurkn hoann.
Lurke f. `schlechtes Getränk, Brühe, dünner Kaffee, Kaffeeersatz; dicke, trübe, unreine Flüssigkeit ´; die diche Lurke koannst de oalleene saufm!
_____________________________________________________________________
M
Mahlweisl, Mahlweisl n. 1. `kleines, helles, gesüßtes Gebäck; langer Pfennigpfefferkuchen; kleine, platte, mit Mehl bestreute Pfeffernuss ´. - 2. übertr. `Mensch (meist Kind) mit ungesunder, bleicher Gesichtsfarbe ´.
Mannerharzl n. `Tränendes Herz (Dicentra spectabilis) ´.
Mauke f. Kurzform von Abernmauke `Kartoffelbrei, Stampfkartoffeln ´; Pilzmauke, Teichlmauke.
Mauke f. 1. `Ort, wo man Obst (vor allem Äpfel) nachreifen lässt, wo etw. maukt, mürbe od. faulig wird ´; Äpplmauke. - 2. `heimlicher Aufbewahrungsort, verstecktes Behältnis für einen Vorrat ´; z. B. für gespartes Geld.
Mauke f. `Pferdekrankheit: Ausschlag u. Entzündung an der Hinterseite der Fesseln ´.
Meste f. 1. `Behälter ´ meist für Salz od. Mehl, ein Kasten od. halbrundes Tönnchen mit Deckelklappe, an der Wand, aus Holz, Steinzeug od. Zinn; Mahl-, Saalzmeste. - 2. `künstlicher Nistkasten für Singvögel ´; Meesn-, Stoar-, Voglmeste.
Mohbuchte f. `in einer Kastenform gebackener Kuchen mit eingerollter Mohnschicht, mit Mohn gefüllte Hefeteigrolle, Mohnstollen, Mohnlänge ´; Mohbuchtl.
_____________________________________________________________________
N
Nackches Maajdl, Nackche Weiber n. `Wollgras (Eriophorum) ´.
Nudlseeger m. `Durchschlag: emailliertes Blechgefäß mit siebartig durchlöchertem Boden, das zum Abgießen von Nudeln verwendet wird ´.
_____________________________________________________________________
O
oaaringn stv. Oberland zwischen Taubenheim u. Spitzkunnersdorf `anringen: anschlagen, wirken, helfen (von Medikamenten u. Heilmitteln) ´; de Duktertruppm hoann ne oaagerungn.
Oabtroigetichl n. `Abtrockentuch, Handtuch, Geschirrtuch ´.
Oabzucht f. `Abzucht: offener od. verdeckter Abflusskanal für Abwässer aus Haus u. Hof; Jauchenrinne; Graben zur Entwässerung von Feldern u. Wiesen; Stelle, wo die Abwässer in unterirdische Rohre u. Kanäle abgeleitet werden, Abzugsloch in Waschhaus, Keller, Stall u. auf der Straße; Gosse, Gully, Senkloch ´.
oalländchn Adv.`überall ´; a is oalländchn, wu a Schweineschwänzl woackln tutt.
odersch Adj. `verdrießlich, mürrisch, missgelaunt, launisch, emfindlich ´; du bist a aaler oderscher Saak, ´n ganzn Tag zoigst de schunn a odersch(es) Gesichte.
Omse f. `Ameise (alle Arten) ´; Seechomse, miech hoat anne Omse oaageseecht `mich hat eine Ameise mit Ameisensäure bespritzt ´.
Oybm m. 1. `Kurort Oybin (Ort u. Gemeinde im °ZI) ´; mer foahrn an Oybm; de Oybschn `die Einwohner von Oybin ´; ´s Oybsche Niederdurf `Niederoybin ´. - 2. `Berg Oybin mit Burgruine ´; mer loofm uff ´m Oybm od. Oybschn Oybm.
_____________________________________________________________________
P
Pfarkuttl (gespr. Pfaarkuddl) `Pferdekot, Pferdeäpfel ´.
plädern (gedehntes ä, gesprochen blädern), pleedern, pladern swv. `stark wehen, stürmen; sich etw. geräuschvoll flattern in der Luft bewegen; wedeln; (mit den Händen) Wind machen ´.
Plauze f. Dim. Pläuzl 1. `Lunge, Bronchien, Brust ´; iech hoa ´s uff dr Plauze `ich habe tiefersitzenden Husten ´; RA: Runder vu dr Plauze, rei a de Schnauze! `Jmdm. die Meinung freiweg ins Gesicht sagen ´. - 2. `altes, schweres, klumpiges Federbett ´.
Plauze f. `kurzer, heftiger Regenguss ´.
Plauze f. `Ohrfeige, Hiebe, Dresche ´; de andern Kinder krigtn o ihre Plauze.
Ploapperch m. `Spitzkunnersdorf, Schirgswalde Kotfladen des Rindes; breiiger Klecks´.
Purkirche f. `Empore in der Kirche ´; a dr Christnacht sitz mer immer uff dr Purkirche.
_____________________________________________________________________
Q
queiern swv. `quälen ´ 1. `jmdn. immer wieder um etw. bitten, mit Wünschen bedrängen ´; tu miech ne egoalfurt queiern. - 2. `quälen, peinigen, schikanieren ´; miech queiert a Foarz.
_____________________________________________________________________
R
Rake f. `lustiger, übermütiger Streich; ausgelassene Fete, Besäufnis in einer Gesellschaft ´; anne Rake oabziehn, (druf)machn, mitmachn od. schissn.
Ritschl (kurzes i) n. (Dim. von Rutsche u. Ritsche) auch G. Kießling; Steudtner u. Richter unbekannt `etw. zum Rutschen od. Schieben ´. 1. `Schiebefensterladen: innen am Fenster angebrachte, in Leisten rutschende Holzplatte, die man zum Verdunkeln vor das Fenster schiebt ´; auch Fansterritschl. - 2. `Schieber in der Holzdecke der Wohnstube ´, durch ihn konnte man warme Luft in die obere, nicht heizbare Stube abziehen lassen. - 3. dass. wie Ritschlfanster. - 4. Ludwigsdorf, Seifhennersdorf, schl. Wb., Anton `(kleine, hölzerne) Fußbank ´. Siehe Hitsche! - 5. `Ludwigsdorf, Seifhennersdorf, auch Mehlhose `primitiver, aus Holzbrettern gefertigter Schlitten für Kinder ´; Kaseritsche, Kaserutsche, Rutschlschlittn.
Roaber (gedehntes oa) f. `einrädriger Schiebekarren mit leiterartig gefügter Ladefläche aus Latten od. Sprossen, die vorn über dem Rad in einer Wölbung ausläuft ´ (bes. zum Transport von Sackgut, Stoffballen, Mist, Heu, Stroh); Lahnroaber, Futterroaber, Mistroaber, Goalgnroaber, Steenroaber, dr Grußvoater is noa mit dr Roaber uff ´m Wuchemoarcht gefoahrn.
Rutkatl n. `Rotkehlchen (Erithacus rubecula) ´.
_____________________________________________________________________
S
sauer Abern Pl. `saure Kartoffeln: Kartoffelsalat ´.
sauer Wulle Pl. Seifhennersdorf scherzh. `Sauerkraut ´.
Scheißhittlbirne f. `Graumännel, Gute Graue: eine grau gesprenkelte Tafelbirne, von der man schnell Durchfall bekommt ´.
Scheitlfeie f., Scheitlfeim m., Scheitlfeime f. `aus Scheiten errichteter Stapel, meist kreisrund, sich nach oben hin ein wenig verjüngend ´. Lautf.: Scheitlfäue.
Schemmlfoarzer m. `Sesselhocker, Büroangestellter; Beamter, der viel sitzt ´.
Scheusl, Scheußl n. `Scheusal; Pers., die einen scheußlichen od. abschreckenden Anblick besitzt; Pers. od. vernachlässigtes Kind in abgetragener od. nicht passender Kleidung ´; nu guckt dr oack doaas Scheusl oaa!
Schiebefanster n. Dim. Schiebefansterchl `kleines Schiebefenster: Fensterteil eines sechsteiligen Fensters, das man auf- u. zuschieben kann ´.
Schiegesichte n. Dim. Schiegesichtl `Gartenstiefmütterchen (Viola wittrockiana Gams 1925), Wildes Stiefmütterchen (Viola tricolor L. 1753) ´.
Schinknsäcke Pl. Scherzwort `ein Paar (übergroße) Unterröcke od. Unterhosen, die die Oberschenkel bedecken; weite Damenschlüpfer ´.
Schirgewaajnl n. `Wagen zum Schieben, Kinderwagen ´.
Schloitut m. `ungeschlachteter, liederlich angezogener, ungewöhnlich großer Kerl; Tunichtgut ´.
Schluse, Schluße (gedehntes u) f. (meist im Pl.) `Schloße: großes Hagelkorn ´.
Schmiege f. `zusammenklappbares Metermaß, Zollstock ´.
Schnatl n. `durch Abklopfen der Rinde angefertigte Pfeife, meist aus einem Weiden- od. Ebereschenzweig; aus einem Löwenzahnstängel angefertigte Pfeife; Zigarette; Zweig zum Veredeln von Obstbäumen, Pfropfreis, Pflanzentrieb ´.
Schnauznhubl m. scherzh. `Mundharmonika ´.
schnettln swv. `überflüssige Äste ausschneiden, Bäume beschneiden, ausästen; geziert, mit schnellen kurzen Schritten gehen; sich auffallend fortbewegen (und mit dem Po wackeln) ´.
schnopern swv.. `prüfend die Luft durch die Nase einziehen, um etw. zu riechen; herumspionieren, neugierig nach etw. suchen, schnüffeln ´; de Schwiegermutter schnopert wieder a dr Koammer rim.
schnurpsn swv. `etw. Hartes (Obst, Gemüse) geräuschvoll essen, hörbar beißen, knirschen, zermalmen ´; de Mähre reischnurpsn.
Schoflamml n. `kleines Schaf, Lämmchen ´. Lautf.: Schofelamml.
Schusterjunge m. `Schuhmacherlehrling; dunkle Semmel, aus Schrot od. Roggenmehl gebacken ´.
schwummerch Adj. `düster, unheimlich, bange, beklommen, benommen, schwindlig, unwohl, übel, ängstlich zumute ´; murne hoa ´ch Exom, wenn droaa denke, wird mer ganz schwummerch.
Seechfetzl n. scherzh. bis abwert. `kleines Mädchen ´; die hoann schunn drei Seechfetzl derheeme.
seechloo Adj. `lauwarm (von Flüssigkeiten) ´; dr Koaffee is seechloo.
Seechsauln Pl. scherzh. bis vulgär `(dicke) Frauenbeine ´. Lautf.: Seechsäuln.
Seidl n. `Seidel: `altes Hohlmaß (meist 0,5 l fassend u. vorwiegend zum Abmessen von Flüssigkeiten verwendet); Halblitergefäß; Bierglas mit Henkel (u. Deckel), ca. 0,5 l fassend ´.
Siene f. `weibliches Kaninchen, Häsin, eine Sie ´.
Soattlche m. `im Gespann links gehendes Pferd oder linksgehender Ochse ´; uff ´m Soattlchn sitzn.
Somaberne f. `Samenkartoffel: Saatkartoffel ´; auch `Stecke ´.
sterzn, sterzln swv. `in die Höhe stehen (vom Haar), empor ragen, spießen, abspreizen; den Schwanz heben; stolzieren, geziert (mit Stöckelschuhen od. wackelndem Hinterteil) gehen ´.
Stießer m. `Greifvogel, bes. Sperber, Habicht ´. Bussard, Wanderfalke ´.
Stirl, Stirlch, Stirlerch (kurzes i) m. `Rute, langer starrer Stab, Stange, Knüppel, Stecken, Schwengel, Kolben der Wasserpumpe, Mörser, Bein, Stock zum Umrühren od. Stochern, abstehende Äste einer Pflanze, Pflanze mit abstehenden Pflanzenteilen ´.
Stirze f. `Stürze: Deckel für ein Gefäß (meist für einen Kochtopf) ´.
Summerkalbl, Summerkaubl, Summerkirbl n. `Marienkäfer ´.
_____________________________________________________________________
T
Täbe (gespr. Däbe) f. `weibl. Hund, eine läufige Hündin ´; auch Teebe.
Tille (gespr. Dille) f. `Tülle Ebersbach, ÖSüd-, Ost- u. Westlausitz Ausgussrohr an einer Kanne oder Pumpe´.
Toalke f. `missratenes, noch nicht ausgebackenes Gebäck (Brot, Semmel, Kuchen) ´.
Toatterch m. `(krankhaftes) Zittern (der Hände)´.
Tschibbl n. `das dem Ei entschlüpfte Hühnchen, Küken´; auch Tschiebl.
tuttch (gespr. duddch) Adj. `von Sinnen, verrückt, toll (von Menschen u. Tieren), wild, liebeshungrig, mannstoll, weibstoll ´; die foahrn wie de Tuttchn; de Mickn senn heut reene tuttch; dar is tuttch uff oalls, woaas ann Rook oaahoat.
_____________________________________________________________________
U
ungenoißch Adj. `ungenießerisch, unersättlich, ungenügsam, habgierig, gierig, gefräßig ´; dar ungenoißche Karle koann ´n Schlunk ne vul genungk kriegn.
urschn (gedehntes u) swv. `verschwenderisch umgehen, wüsten, etw. verschwenden, vergeuden, verschleudern, beim Fressen nur das gute Futter auswählen ´; tu oack ne su mit ´n Woasser urschn!
_____________________________________________________________________
V
verwimmert Adj. (eigtl. Part. Prät.) `knorrig, vernarbt, fest in sich verwachsen (von astreichem u. daher schwer spaltbarem Holz) ´; doaas Hulz lässt ´ch ne gutt hackn, ´s is su verwimmert. Lautf.: verwummert.
Vogelgebauer, Voglbauer, Gebauer, Bauer n. `Vogelkäfig ´.
Voglmeierch, Meierch m. `Vogelmiere (Stellaria media Villars 1789) ´.
_____________________________________________________________________
W
Watergoalle f. selt. `nicht voll ausgebildeter Regenbogen, der neuen Regen ankündigt ´.
Weese m. `Weizen (Triticum aestivum L. 1753) ´; dr Weese is ausgewintert `der Weizen hat durch Frost Schaden erlitten ´.
Weiberhacksch, Weiberhengst m. `Junge, der häufig mit Mädchen spielt; Bursche, der den Mädchen nachsteigt; weibstoller Mann, Schürzenjäger ´.
Weibermihle f. `Weibermühle ´: scherzh. `Riesenrad ´.
Wiegepfaard n. `Schaukelpferd ´; a Wiegepfaard baastln.
windflieglch Adj. `vom Winde leicht bewegbar, sperrig, spreizend, verbogen, instabil, labil, windschief ´; dr Goaartnzaum is windflieglch.
Windwäbe, Windwabe f. `Schneewehe ´. Lautf.:
Wischhoader, Wischehoader m. `Tuch zum Wischen bzw. Scheuern der Fußböden; Scheuerlappen ´; nimm oack amol ´n Wischhoader und tunk de Pfitzn uf!
Wotcht (gedehntes o) f. `(alte, dicke u. lästige) Kleidung, Textilien, Reisegepäck ´; du hoast vill zu vill Wotcht an Schranke.
_____________________________________________________________________
Z
Zaumstachete f. `Stakete: schmale Zaunlatte ´.
Ziche (kurzes i) f. Dim. Zichl `Züche: Bettbezug ´; a de weechn Zichn län; under de Ziche machn `schlafen gehen ´.
Zoahnangst, Zähnangst f. `Zahnschmerzen ´.
Zwiesl m. n. `kleiner Zweig, junger Trieb einer Pflanze ´; Birknzwiesl, Koatznkrautzwiesl, a poaar Zwiesl Dille. - 2. `kleiner, sich aufdröselnder Rest eines Fadens, Ende des Zopfes ´.